Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau
Start: 24.01.2002
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Neuer Termin Sudetendeutscher Tag 16.bis 18. Juli 2021 in München.

Unter dem Maibaum des Lebens
von Walter Kult aus der Komotauer Zeitung Mai 1989, unter eigenen Ergänzungen

Der Maien mit Sonnenschein und Blütenduft, mit warmen Abenden und linden Nächten, mit großen, hellen Sternen- zum Greifen nah- schlägt uns immer wieder in den Bann und wir ergeben uns gern dieser starken Melodie der schönsten Zeit im Jahreslauf. Jedesmal wollten wir die Tage festhalten und in den Nächten das Schlafen vergessen, um soviel wie möglich vom Mai zu haben. Und wenn er vorüber ist, dürfen wir auf seine Wiederkehr im nächsten Jahr hoffen.
Der Gestaltungswille verlangt nach Formen für dieses Freudeempfinden im Mai. Neben den Liedern, die uns einfach ins Gemüt springen, wenn wir am Sonntagmorgen durch die Fluren streichen, ist der Maitanz unter freiem Himmel im Schatten mächtiger Linden oder Kastanien. Wieviele schöne Sonntagnachmittage haben wir im Grundtal, in den Grundmühlen, bei Kaffee und Kuchen oder Käsebrot und Gerstensaft verbracht. Fröhlich war die Stimmung bei den Waldfesten des Turnvereins 1864, bei denen das Wettkuchenessen nicht fehlen durfte. Der Sieger konnte dann ein Fünfkronenstück einstecken.  Schiffschaukeln, Ringelspiel und Schiessbuden erhöhten die Freude.
Am Abend besuchten wir die Maiandacht in der Dekanalkirche oder der Ignatiuskirche, die im Mai täglich stattfand. Lieder wie: "Es blüht der Blumen eine.." oder "Meerstern ich dich grüsse.." waren uns Allen eingeprägt und wir sangen sie auswendig. Katechet Walter von der Oberdorfer Barbarakirche konnte das Gebet: "Jungfrau Mutter Gottes mein" sehr gefühlsbetont vortragen. Und nach dem Segen schmetterten wir das Lied: "Mutter laß dich nochmals grüßen..."
Auf dem Lande war das Spektakel des Spiels unterm Maibaum und das Maibaumfällen ein unwegdenkbares Ereignis gewesen. Da kamen auch die "Quorkweiber", die Frauen der Holzfäller. Bald entspannte sich ein Streit, in dessen Verlauf der Inhalt der Töpfe- Erdäppelgasch oder Quark- als Wurfgeschoss benutzt wird. Dieses landete dann im Gesicht der "treusorgenden Gatten". Dies alles war für die Zuschauer eine Gaudi, die keiner missen wollte.
Doch diese Ereignisse erlebten viele Heimatvertriebene in ihrer neuen Heimat in Franken, Niederbayern, der Oberpfalz, Hessen und Baden Württemberg in ähnlicher Form wieder. Wieder stehen die Maibäume und gerne denken wir an die Ereignisse unserer Heimat Komotau, Görkau, Bosbarch, Eidlitz, Sporitz und Pösswitz. In der alten Heimat ist das Brauchtum leider nicht wieder lebendig geworden.
Komotauer Polka
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