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Weihnachten im Erzgebirge - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Weihnachten im Erzgebirge

Das Jahr 2018 > Weihnacht 2018
In Kallich
Eigenes Foto
Weihnachten im Erzgebirge
nach dem Heimatblatt "Mei Erzgebirg´ "
Dezember 2018

Die Natur ist längst schlafen gegangen. Die Menschen richten
sich langsam auf die Advents- und Weihnachtszeit vor. Schon in
der Adventszeit kamen aus Reischdorf die „Bornkinnla“ nach
Sonnenberg. Es waren neun Personen: Maria und Josef, die Hl.
Drei Könige und vier Hirten. Sie stellten sich in den Häusern auf
und trugen ein Singspiel vor: „Ei,wos klingelt, ei, wos finselt, ei,
wos finzelt und klingelt so sehr. Als wenn es gleich der Heiland
wär’.“ Darauf sprach Josef zu hl. Maria: „Gieh du no, weil ich
nichts richten ko.“ Dann stellte man eine Wiege auf den Tisch
und sang noch einiges. Nachdem man ihnen Geld und etwas zu
essen gegeben hatte, zogen sie wieder weiter ins nächste Haus.
Meistens war schon der erste Schnee gefallen im Gebirge. Es
wurde gesägt, geschnitzt, Stollen und Plätzchen gebacken, auch
wurden noch einige Weihnachtseinkäufe gemacht. Am Niko-
laustag war für die Kinder schon die erste Bescherung. Es wur-
den Strümpfe an die Türklinke gehängt, wo dann Äpfel, Nüsse
und Naschwerk, auch mal etwas Kohle, eine angefaulte Kartof-
fel mit rein kam. Hie und da erschien er auch höchstpersönlich,
oft sogar mit dem Krampus und sparte selbst die Rute nicht
Dann begann kurz vor Heiligabend das Kuchenbacken, es muß-
te ja alles bis Weihnachten noch fertig werden. Der heiligste
Abend war die Christnacht. Am Heiligabend wurden am Mittag
immer Linsen und auch Stockfisch, bei reichen Leuten auch


Sebastiansberg: Weg
ins Grundtal
Foto Beate Kreher
Karpfen gegessen, damit das Geld im nächsten Jahr nicht aus-
geht. Abends mußte immer die ganze Familie am Tisch sein, es
durfte niemand aufstehen, nur die Hausfrau. Unter den Teller
wurde Geld gelegt, so daß man immer Geld bei sich hatte. Es
kam ein Sack mit Heu unter den Tisch, welches dann das Vieh
bekam. Es gab auch immer eine Milchsuppe mit Brot, aus der
hat die ganze Familie gegessen, dann wurde auch noch gespritzt,
es sollte schön sein. Danach gingen alle in den Stall, da bekam
das Vieh das Heu und ein Stück Brot mit Butter und Zwiebeln.
Es wurden Nüsse aufgemacht, in zwölf Hälften kam Salz, es
sollte die zwölf Monate darstellen, in welcher Nuß das Salz naß
war, gab es in diesem Monat Regen. Um kurz vor Mitternacht
ging es ab in die Mette zur Kirche. Es war meistens sehr kalt,
man sah viele Lichter von allen Seiten kommen, die Bauern ka-
men von den Dörfern manchmal mit Schlitten und Pferden an.
Am ersten Weihnachtstag früh gab es die Bescherung. Es durfte
in der Weihnachtszeit bis Hl. Drei König keine Wäsche gewa-
schen werden. Es durfte nicht gesponnen, keine landwirtschaft-
lichen Arbeiten verrichtet werden, auch war das Kartenspielen
nicht erlaubt, sonst trieb man es das ganze Jahr hindurch.

Kurt Mann +
 
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