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Schön Gutta vom Hassenstein - Kopieren - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Schön Gutta vom Hassenstein
oder wie der Hassenstein seinen Namen erhielt
aus "Das böhmische Erzgebirge" von Viktor Karell

Der deutsche Kaiser Heinrich III. (1039- 1056) hatte im Reich vielfach mit den Auflehnungen unzufriedener Reichsfürsten zu kämpfen. Einmal wäre er sogar einer weitverzweigten Verschwörung zum Opfer gefallen., wenn er nicht von einem seiner Anhänger eine Warnung erhalten hätte, die ihn instand setzte, der Gefahr zu begegnen. Ein angesehener Ritter namens Emerich war es, der ihm die Pläne der Verschwörer zur rechten Zeit verraten hatte.
Der Kaiser zog den getreuen Emerich in seine Nähe und ließ sich von ihm auch auf seiner Heerfahrt nach Böhmen begleiten, um den mächtigen Böhmenherzog Bretislav I. zur Zahlung des schuldigen Tributes zu zwingen. Nach glücklicher Beendigung seiner Heerfahrt dachte Heinrich daran, die Treue Emerichs zu belohnen, und gab ihm die Erlaubnis und die Mittel zum Bau einer Burg in einer beliebigen Gegend.
Emerich blieb im Böhmerland und bald errichteten seine Werkleute unfern des Meißnerischen Landes am steilen Abfall des Erzgebirges eine schier unbezwingbare Feste auf. Sieben Jahre dauerte der Bau. Als Emerich einzog, nahm er sich vor, als Gebieter Gerechtigkeit, aber auch die vollste sittliche Strenge walten zu lassen. Unter anderem legte er ein Gelübde ab, sonderbar und folgenschwer: Diejenige Bewohnerin der Burg, welche zuerst die Ehre verlieren würde- und es sollte seine eigene Tochter sein-, wollte er bei lebendigen Leibe einmauern lassen. Heute noch ist in einer geborstenen Mauer eine Nische zu sehen, welche wohl dafür vorgesehen sein muß.
Die finstere Mauerhöhlung schien indessen leer zu bleiben; friedlich gingen die Jahre dahin und man dachte in der Burg kaum noch an das Gelübde. Ein glückliches Familienleben verschönte die einsame Ritterburg, und mit Stolz und Freude leiteten die Eltern die Erziehung der drei Söhne. Nachdem sie zu stattliche Jünglingen herangewachsen waren und den Ritterschlag erhalten hatten, dienten sie an Höfen im Deutschen Reich.
Später schenkte die Burgfrau ihrem Gemahl noch ein Töchterchen, dessen Geburt aber der Mutter das Leben kostete. Unter heißen Tränen empfahl die Sterbende ihr Kindlein dem Alten Schloßkaplan, und dieser gelobte, das Kind in sichere Obhut zu nehmen, wenn der Vater abwesend war. Der ehrwürdige Greis kam diesem Versprechen gewissenhaft nach. Er legte die Keime des Guten in das zarte Herz des Mädchens und sah zu seiner Freude, wie sie aufgingen und sich entfalteten.
Als Gutta, so hieß die herrliche Blume, zur Jungfrau herangewachsen war, war sie der Stolz und der Liebling des Vaters und aller. Nun mußte der Ritter bedacht sein, seine Tochter zu versorgen und sich zugleich eines Nachfolgers zu versichern; denn sein Söhne weilten in unerreichbaren Fernen und niemand hatte eine Kunde von ihnen erlangt. Kaiser Heinrich IV. hatte gerade eine Reichstag nach Regensburg einberufen und Emerich begab sich ebenfalls dorthin. Er glaubte, unter den versammelten Reichsfürsten eine Eidam zu finden.
Gutta war jetzt wieder der Obhut des Kaplans anvertraut und streifte mit und ohne ihn oft stundenlang in den prächtigen Wäldern umher. Oft ruhten die Blicke der beiden auf dem moosigen Waldboden und vergaßen beim Anblick der herrlichen Natur ganz die Vorkommnisse des Alltagslebens.
Als sie wieder einmal so dasaßen, rauschte es im Gebüsch und heraus trat ein ritterlicher Jüngling. Gutta erschrak, aber bald war jeglicher Argwohn zerstreut. Als der Ankömmling erzählte, daß er ein fahrender Ritter aus dem Sachsenlande sei und er in der schönen Gegend einige Tage zu verweilen gedenke.
Nach wenigen Tagen trafen sich die beiden wieder, und, wie es so gewöhnlich geht, immer wieder und wieder. Der väterliche Freund ahnte nichts Arges und bemerkte nicht, daß in die Herzen der beiden die Liebe eingezogen war. Gutta war ohne Falsch und wollte es dem Priester offenbaren. Da traf aus Regensburg die Kunde ein, Emerich werde in den nächsten Tagen zurückkehren und der Tochter einen erkorenen Bräutigam gleich mitbringen. Der Schloßkaplan teilte Gutta das alsbald mit. Er vernahm von ihr das Geständnis, daß ihr Herz bereits vergeben sei. Heftig erschrak der Greis, denn er kannte die Strenge seines Herren und gedachte der unheimlichen Mauernische. Nach reiflicher Überlegung beschloß er, die schöne Gutta in das St. Magdalenen- Kloster nach Seelau zu bringen, während sich ihr Verlobter einstweilen bei den Benediktinern in Klösterle aufhalten sollte.
So blieb nur der greise Kaplan alleine zurück und es blieb ihm vorbehalten dem heimgekehrten Schloßherrn das Geschehene schonend zu berichten. Schier grenzenlos war die Wut Emerichs, und er schwor, eher daß er verderben wolle, als seinem Kind zu verzeihen.
Sein Grimm kehrte sich auch gegen den Priester. Er stürzte ihn zur Treppe hinab, so daß er entseelt in seinem Blute liegenblieb. Nun erst kam der Ritter zur Besinnung und dachte an die Verfolgung, welche die Geistlichkeit gegen ihn einleiten würde, wenn sie vom dem Mord Kenntnis erhalten würde. Er erinnerte sich an die Mauernische und hier bekam der langjährige Berater seine letzte Ruhestätte.
Von Gewissensqualen gepeinigt, irrte Emerich in den weiten Räumen seines Schlosses umher. Doch fand er nirgends Ruhe, bis ihn das gerechte Verhängnis ereilte. Um sein Gewissen zu betäuben, ergab er sich dem Trunke. Als er eines Abends sein Gemach verließ, verlor er das Gleichgewicht und stürzte über die steile Treppe hinab. Auf denselben Stein, auf dem der Schloßkaplan seine Seele ausgehaucht hatte, blieb sein zerschmetterter Körper liegen. Die Knechte begruben seine Körper im grünen Hain und verließen die fluchbeladene Stätte. Und wenn sie einmal von der Burg sprachen, sagten sie : "Haß dem Stein !". Daraus wurde später dann der Name "Hassenstein".
Und die schöne Gutta ? Die Leute erzählten oft, daß sie im Kloster eine Nonne sei, die man immer weinen sehe, das Gesicht gegen die kalten Gitterstäbe des Fensters gedrückt. Und der Sachsenritter ? Der blieb auch im Kloster; denn nichts galt ihm die Welt ohne Gutta.


 
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