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Hedwig Hurnik - Kopieren - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Hedwig Hurnik - Kopieren

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Hedi Hurnik ist
von uns gegangen -

Ein Leben für die deutsche Minderheit.

Unsere Heimatfreundin Hedi Hurnik ist am 10.12.2019 friedlich eingeschlafen. In den letzten Jahren lebte sie im Altenheim „Merkur“ in Görkau.  Am 20. Dezember fand in Komotau in der Dekanalkirche die Trauerfeier statt. Über 100 Trauergäste nahmen an der Verabschiedung teil, ihre Landsleute vom Kulturverband, dem Begegnungszentrum Komotau, aus dem Landesverband Prag und von der Stadt Komotau. Die Urnenbeisetzung im Familiengrab auf dem Hauptfriedhof in Komotau erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt. Nun bedeckt Heimaterde unsere treue Freundin, die wir nicht vergessen werden.
Schauen wir auf 93 Jahre ihres Lebens:
Hedi Hurnik wurde am 13. April 1926 in Sebastiansberg geboren, wo auch ihre Eltern und der jüngere Bruder Harry Walter zu Hause waren. Ihr Vater war damals Briefträger. Um die Familie ernähren zu können, musste Hedwig Walter die tschechische Schule besuchen. Ab 1936 wechselte sie in die deutsche Schule. Im Jahre 1942 zog die Familie nach Komotau und Hedi erwarb hier in Kursen kaufmännische Kenntnisse, um dann in einer großen Konfessionsschneiderei die Buchführung und Lohnverrechnung und andere Büroarbeiten zu erledigen. Ende 1945 lernte sie ihren späteren Mann Mirek Hurnik, einen Sudeten-Schlesier, kennen und heiraten ein Jahr später. Drei Söhne erblickten die Welt, die ihre ganze Liebe und Aufmerksam bekamen.
Hedi Hurnik gehörte zu den Deutschen, die in der Heimat verblieben sind. Die deutsche Minderheit war bedeutungslos im öffentlichen Leben. Dies änderte sich im Frühjahr 1968 nach dem sogenannten Prager Frühling unter Alexander Dubcek. Heimatverbliebene Deutsche gründeten 1969 in Prag den „Kulturverband der Bürger deutscher Nationalität der CR“.  Auch Hedi Hurnik war dabei und übernahm in der Komotauer Gruppe das Kulturreferat und zusätzlich ab 1971 auch das Amt des Kassiers.  Ab 1989/90 oblag ihr die Gesamtleitung des Kulturverbandes.
Zwanzig Jahre lang, bevor das Begegnungszentrum in Komotau gegründet wurde, war der Kulturverband die einzige Organisation, die es ermöglichte, dass sich die deutsche Minderheit regelmäßig einmal im Monat treffen konnte.  Bis vor 10 Jahren waren dies im Durchschnitt 70 Besucher, heute sind es nur noch etwa die Hälfte beim Treffen.  Seit einigen Jahren ist der Treffpunkt in angenehmen Räumen im Altenheim „Merkur“, wo Hedi und andere betagte Landsleute wohnen beziehungsweise lebten.
Hedi Hurnik hat vieles bewirkt:  Sie hat die deutsche Minderheit im Minderheiten-ausschuss des Stadtrates Komotau vertreten und finanzielle Unterstützung erstritten. Ihr Einsatz für den Erhalt der Wallfahrtskirche Quinau und die Organisation der Wallfahrten mit anschließendem Zusammensein war ihr sehr wichtig, ebenso eine gute Verbindung zum örtlichen kath. Pfarrer. So unterstützte sie ihn mit der Unterschriftensammlung für die Renovierung der Dekanalkirche durch EU-Mittel.
Ihren Landsleuten stand Hedi Hurnik mit Rat und Tat zur Seite. War Ansprechpartnerin für Angelegenheiten bei tschechischen Ämtern. Viele Jahre hat sie die kranken und   pflegebedürftigen Landsleute besucht, die nicht mehr zu den Treffen kommen konnten, so am Geburtstag, Muttertag, Ostern und Weihnachten mit einem kleinen Präsent. Sie hat sie nicht vergessen und überbrachte ihnen oft die Heimatzeitung.  Ihre Beiträge in  der Heimatzeitung wurden gerne gelesen, haben informiert und so hielt das Band zu den Landsleuten hüben und drüben.  
Durch Hedi Hurnik bekam die deutsche Sprache in Komotau wieder eine Bühne. Unvergessen sind ihre musikalischen Auftritte, wie zum Beispiel zum 40-jährigen Jubiläum des Kulturverbandes in den vollbesetzten Parksälen in Komotau. Sie hatte das Talent, auf der Bühne zu stehen und garantierte für gute Unterhaltung, als Solistin, im Duett oder im Chor, den sie leitete. Das deutsche Liedgut und besonders Lieder von Anton Günther wurden gepflegt.  Musikalische Unterstützung fand sie in ihrem jüngsten Sohn Toni, dem Duo Hurnik.
Darüber hinaus war sie viele Jahre im Landesvorstand des Kulturvereins in Prag engagiert. Sie wurde als Zeitzeugin zu Vorträgen in und außerhalb Tschechiens eingeladen. Jahrzehnte besuchte sie den Sudetendeutschen Tag und war oft Ehrengast der Sudetendeutschen Landsmannschaft und wurde entsprechend geehrt. Ebenso war sie fast bei jedem Bundestreffen der Heimatvertriebenen in Erlangen, wo sie viele Landsleute traf.  Auch zu den jährlichen Gedenkveranstaltungen in Deutschneudorf im Erzgebirge kam sie mit den Mitgliedern des Kulturverbandes.  Ende 2014 übergab sie die Leitung des Kulturverbandes Komotau in andere Hände.
Im Dezember 2019 ist das Licht unserer Heimatfreundin Hedi Hurnik erloschen. Sie war fünfzig Jahre der Fixstern für die Deutschen in Komotau. Mit ihrem freundlichen, gewinnenden Wesen erwarb sie sich viele Freunde, auch im Heimatkreis und ebenso mich. Ich erinnere mich gerne, wenn wir telefonierten und sie sich meldete mit: „Hier auch die Hedi“.  Sie hat eine Epoche geprägt, für die wir ihr außerordentlich dankbar sind und deshalb in unserer Erinnerung bleiben wird.
Wir nehmen Abschied und trauern mit ihren lieben Angehörigen.
                                                        
Heimatkreisbetreuerin Hedwig Gemmrig-Helmich

"Wu de Walder haamlich rauschn"
gesungen von einer Gesangsgruppe
vom Heimatkeis Kaaden
 
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