Grusswort Bürgermeisterin - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Das Jahr 2016 > Eundestreffen 2016 > Reden
Rede von Frau Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens

Sehr geehrte Frau Gemmrig
sehr geehrter Herr Ded, liebe Festgäste,
dieses Jahr sind es 65 Jahre, seit die Stadt Erlangen eine Patenschaft mit den Heimatvertriebenen aus Komotau eingegangen ist. Was Oberbürgermeister Michael Poeschke begann, wurde von Heinrich Lades. Dietmar Hahlweg. Siegfried Balleis und nun Florian Janik fortgesetzt.
Ich bin heute gerne zu Ihnen gekommen, und freue mich über die Einladung. Natürlich überbringe ich Ihnen die Grüße aus dem gesamten Stadtrat. Besonders natürlich die unseres Oberbürgermeisters
in dessen Vertretung ich heute hier bin.
Erlangen nennt sich mit Recht „offen aus Tradition“. Das galt vor 300 Jahren gegenüber den Hugenotten, das galt und gilt für die Heimatvertriebenen aus Brüx und aus Komotau. Das gilt für die Flüchtlinge aus Krisengebieten: zum Beispiel dem Iran, dem Irak und Syrien.
Die Anzahl der Menschen, die an ihre eigene Geschichte denken und nun den Flüchtlingen tatkräftig oder auch mental helfen, ist groß.
Gerade Bayern und besodners Erlangen haben damals nicht nur ihre Verantwortung gegenüber den Heimatvertriebenen wahrgenommen, sondern auch verstanden, wie wichtig für die eigene Entwicklung eine rasche Integration dieser vielseitig ausgebildeten und arbeitswilligen Neuankömmlinge war.
Beispiele für gelungene Integration in Franken war bzw. waren zum Beispiel: Die Bamberger Symphoniker, ein Ensemble von Weltruf, sie wären nicht , was sie sind. Ohne die heimatvertriebenen Musikerinnen und Musiker.
Unsere Nachbargemeinde Bubenreuth hat sich einen Namen als Zentrum für Instrumentenbau gemacht. Wiederum dank der damaligen Flüchtlinge.
Der langjährige Bürgermeister von Ochsenfurt, Peter Wesselowsky, - Sie kennen ihn alle – ist heute Obmann der Heimatgemeinde Brüx, unser Altoberbürgermeister Dr. Dietmar Hahlweg stammt aus dem Sudetenland, und der leider dieses Jahr verstorbene Bürgermeister, Herr Gerd Lohwasser, wurde in Karlsbad
Erlangen hat sich früh dafür eingesetzt, Komotau eine Ersatzheimat zu geben. Zeichen dafür sind zum Beispiele: Das Ehrenmal, an dem sie heute Blumen niedergelegt haben. Die Sonnenuhr, die Komotauer Straße und der Komotauer Bus. Ein besonders Symbol für unsere Verbundenheit sind aber die Heimatstuben im Frankenhof, die durch dessen Umbau nun leider zumindest für eine Zwischenzeit ein neues Domizil brauchen. Leider kann ich Ihnen auch heute noch keine verbindliche Zusage zu einem neuen Ort nennen, aber Sie dürfen sicher sein, wir arbeiten an einer Lösung und lassen Sie mit diesem Problem nicht allein.
Sehr geehrte Damen und Herren, vor 67 Jahren wurde das Grundgesetz in der Bundesrepublik verkündet. Nur ein Jahr später gaben sich die Heimatvertriebenen eine eigene Verfassung in der vor allem der Verzicht auf Rache und Vergeltung für die Vertreibung stand, und das Schaffen eines geeinten Europas und die Beteiligung am Wiederaufbau Deutschlands und Europas. Eine der Forderungen in dieser Verfassung lautet: Tätige Einschaltung der deutschen Heimatvertriebenen in den Wiederaufbau Europas.
Womit wir oft leichtfertig umgehen, ist das in der Geschichte einzigartige und oft zitierte Friedenswerk Europa. Europa ist ein Zusammenschluss von Staaten und der Bürgerinnen und Bürger. So steht es ausdrücklich in der europäischen Verfassung. Die meisten Beschlüsse im Rat verlangen eine qualifizierte Mehrheit der Staaten und der Bevölkerungsanteile. Das ist gesund. Wir wollen und müssen demokratischer werden. (Hier habe ich übrigens Richard von Weizäcker zitiert, der dies 2011 sagte.) Seine Worte sind heute noch viel bedeutungsvoller geworden, als sie 2011 waren. Es ist schwer solidarisch zu sein oder zu bleiben, wenn dies scheinbar zu Nachteilen führt.
Offene Grenzen, offener Warenaustausch, offene Gesellschaften, das wünschen sich viele Menschen. Wir wünschen uns allerdings auch eine offene Auseinandersetzung mit der eigenen, schwierigen Geschichte. Daran mitzuwirken ist die Aufgabe der gesamten Gesellschaft. An dieser Stelle erwähne ich den Besuch aus dem Rathaus von Chomutov in Erlangen, und nun im Juli der Antrittsbesuch unseres Oberbürgermeisters Dr. Florian Janik in Chomutov. Weiterhin soll es vielfältige Begegnungen geben und dadurch werden wir gemeinsam weiterhin an der Demokratie arbeiten.
Und dafür danke ich Ihnen.
Weiterhin gemeinsam an einem ausgesöhnten Miteinander arbeiten, das ist unsere gemeinsame Aufgabe. Für dieses Miteinander steht Ihre Vorsitzende, Hedwig Gemmrig, die heute eine hohe Auszeichnung erhält. Ich gratuliere im Namen der Stadt zur Verleihung der Rudolf von-Lodgmann-Medaille an Frau Gemmrig.
Nun aber wünsche ich Ihnen allen hier in Erlangen ein gelungenes Treffen, viel Zeit für Gespräche, schlicht: Zeit für ein gutes Miteinander, mit Spaß und Freude, denn Demokratie muss auch gelebt werden.

 
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