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Der Schaukasten - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Der Schaukasten

Der Gedenk- Obelisk bei Rübenau
  
Das ehemalige Kirchspiel Kallich
(Katholische Pfarrei)
    bis zur gewaltsamen Vertreibung aller Deutschen
                         in den Jahren 1945/46                         

KALLICH (Kalek) gegr. 1577

Die katholische Pfarrgemeinde von Kallich hatte zur  Volkszählung in Jahre 1939  680 Einwohner. Es gab 131 Wohngebäude, einschließlich der öffentlichen Einrichtungen wie Schule, Gemeindeverwaltung mit Poststelle, Kirche, Pfarramt, Förstereien und Polizei – Zolldienst, so-wie mehrere Gaststätten und Läden. Dazu kamen die verschiedensten Handwerker, Kleinbauern und das Eisenwerk. Der Ortsname stammt von Kalk, der hier abgebaut und gebrannt wurde; mundartlich Kolch oder Kalch.
Gegenwärtig (2018) stehen nur noch ca. 50 Häuser und ein Gasthaus mit Laden. Die Kirche (erbaut 1702) und das ehemalige Jagdschlöß-chen  wurden restauriert. Große Ortsteile, wie Oberes Dorf, Weißbach, Drehhäuser und Höllengrund existieren nicht mehr. Kallich hat ei-nen offiziellen Grenzübergang mit erneuerter Grenzbrücke über die Natschung (Grenzbach). Kirchlich gehören die hier beschriebenen Or-te heute zur Pfarrei Görkau/Jirkov. Der Natschungbach bildet seit dem frühen Mittelalter bis heute (außer von 1938-45) die Grenze zwi-schen Sachsen und Böhmen.
GARIELAHÜTTEN  (Gabrielina Hut) gegr. 1778
Das Dörfchen gehörte zur Pfarrgemeinde Kallich. Es wurde allerdings von 1938 bis 1945 verwaltungsmäßig dem Ort  Brandau zugeordnet. Gabrielahütten hatte 122 Einwohner mit 15 Wohnhäusern. Der Besitzer des Schlosses Rothenhaus bei Görkau, Graf Heinrich von Rotten-han, lies im Ort ein Eisenwerk erbauen und benannte das entstandene Anwesen zu Ehren seiner Tochter Gabriela, Gabrielahütten. Das Dorf lag idyllisch in Tal des Töltschbaches nahe der sächsischen Grenze. Es gab eine Volksschule, Gasthäuser, ein Laden, Mühlen und eine Holzpappenfabrik. Der kleine Ort wurde gern von Wanderern und Sommerfrischlern besucht. Gabrielahütten ist, besonders wegen der Grenznähe zu Deutschland, nach 1945 vollständig abgerissen worden.

HEINRICHSDORF (Jindrichova Ves) gegr. 1775

Heinersdorf, wie das Dorf mundartlich genannt wurde, gehörte zur Gemeinde Natschung, es hatte 280 Einwohner und 67 Wohngebäude, eine Kapelle, Gasthäuser und Läden. Heinrichsdorf liegt oberhalb von Natschung in 760 m Höhe und besteht aus zwei parallel verlaufenden Häuserreihen, Ober- und Niederheinrichsdorf. Es wurde als Kolonie aus Köhlern und Waldarbeitern gegründet. Die Frauen fertigten in Heimarbeit die verschiedensten Gegenstände an; Wäscheknöpfe, Wäscheklammern, Tennisschläger und Spielzeug. Heinrichsdorf, wie auch die anderen Orte, wurde gern von „Sommerfrischler“ aufgesucht, die hier Erholung fanden. In den ersten Nachkriegswintern wurden mehrere Häuser von den neuen tschechischen Siedlern abgerissen und als Heizmaterial verwendet, sodass gegenwärtig noch ca. 40 Häuser bewohnt sind. Die  Kapelle wurde restauriert und ist gepflegt.

KIENHAID (Kienhaida) gegr. 1709

Die selbständige kleine Gemeinde hatte 211 Einwohner und 39 Häuser. Sie lag in 775 m Höhe im Wald zwischen Natschung und Kühnheide an der sächsischen Grenze. Es gab dort eine kleine Volksschule,  eine Kornmühle, zwei Gasthöfe und einen Laden. Die Männer waren meist Wald-und Holzarbeiter; die Frauen besorgten die Familie und die Haustiere. Das gesamte Dorf, bis auf das ehem. Forsthaus, gibt es nicht mehr. Die Gebäude verfielen nach der Vertreibung der deutschen Eigentümer oder wurden wegen der Grenznähe  abgerissen.

NATSCHUNG (Nacetin) gegr. 1549

Natschung hatte zuletzt 460 Einwohner; es gab 81 Wohngebäude, dazu eine Volksschule, in die auch die Kinder aus Heinrichsdorf gingen. Einkommen fanden die Einwohner als Gewerbetreibende, Waldarbeiter, Köhler, in der Holzindustrie, durch Blechwarenerzeugung und Posamenten. Landwirtschaft gab es wenig. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Blüte der Nagelproduktion, die in Heimarbeit gefertigt wurden. Die Ortsteile Klein Natschung und Hüttenhäuser wurden abgerissen. Gegenwärtig (2018) stehen nur noch ca. 35 Häuser, z.T. als Wochenendhäuser. In Natschung gibt es einen alten Grenzübergang nach „Sächsisch Natzschung“ – Obernatzschung - (andere Schreibweise),
einem Ortsteil von Rübenau. Dort beginnt die ca. 1 km lange „Neutrale Straße“ in Rübenau, bis zum Haus Nr. 36 Kriegwaldweg. Es ist eine geografische Besonderheit. Die Grenzsteine stehen rechts und links am Straßenrand, sodass der Weg selbst weder zu Deutschland noch zur Tschechischen Republik gehört; – hier zusehen, wenige Meter rechts vom Standort des Gedenkobelisken.

***


Allgemeine Hinweise

Bis zur Vertreibung aus ihrer seit Jahrhunderten angestammten Heimat 1945/46 lebten die Menschen in ihren Dorfgemeinschaften jenseits der Grenze glücklich und zufrieden, wenn auch das Leben im Gebirge manche Härten und Entbehrungen mit sich brachte. Über Entstehung, Geschichte, Wirtschaft, Dorfgeschehen und Vereinsleben in den einzelnen Ortschaften wird in deren eigenen Dorfchroniken ausführlich berichtet. Hier sei nur angemerkt, dass die deutsche Bevölkerung in den Dörfern und Städten Böhmens nicht erst seit der Angliederung an das Deutsche Reich 1938 hier lebte, sondern sie wurde in unbewohnte Landstriche Böhmens „gerufen“ und mit besonderen Privilegien bereits seit der Zeit der böhmischen Könige (Přemysliden) Ottokar I. u. II. im 12. Jahrhundert angesie-delt.  
Siehe auch unter www.komotau.de – (Städte und Dörfer) und www.boehmerlangi.de (Fotos)
Alle zwei Jahre kamen bisher noch viele der früheren Bewohner aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland, ja sogar aus Übersee, zum Heimattreffen in Rübenau und Ansprung zusammen, im An-denken des Schutzpatrons des „Hl. Wenzel“ ihrer alten Heimatkirche und um Wiedersehen zu feiern mit lieben Nachbarn und Freunden der verlorenen Heimat. Aus Altersgründen fällt es allerdings den meisten Vertriebenen schwer, längere Anreisewege auf sich zu nehmen, sodass diese Heimattreffen leider seit etwa 2015 nur noch im kleinen Kreis stattfinden.
Dieser hier im Jahre 1999 erstellte Gedenkobelisk soll an die ehemals deutsch besiedelten Heimatdör-fer erinnern und der Nachwelt als Mahnmal dienen. Es besteht nach 70 Jahren die begründete Hoffnung, dass die jüngeren Generationen beiderseits der Grenze die Geschichte der Menschen aufarbei-ten und somit der Wahrheit und der Versöhnung zwischen den Völkern näher kommen.
Dem Urheber und Stifter Edwin Siegert (†) gebührt Dank und Anerkennung für die Schaffung dieser Stätte. Auch allen Landsleuten und dem „Förderverein Mittleres Erzgebirge / Komotauer Land, die mit ihren Spenden zum Gelingen beigetragen haben, sei hier nochmals herzlich gedankt. Ebenso der ehemaligen Gemeinde Hirtstein/Rübenau möchten wir Dank sagen für die wohlwollende Unterstützung bei der Verwirklichung dieser Anlage, sowie auch der Stadtverwaltung Marienberg für die gelungene Gestaltung und Pflege des Umfeldes.

Aktualisiert im Auftrag des Heimatkreises Komotau im November 2018
von Jürgen Schmidt, Enkelsohn von Franz Matz (Lui Franz) aus Heinrichsdorf Nr. 43.
Hinweise zur Gestaltung des Schaukastens bitte unter Tel. 03528-442711
Nachricht über Beschädigungen bitte an die Stadtverwaltung Marienberg Tel. 037 35 - 602 - 0

 
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