140. Geburtstag Anton Günthers - Der Sudetendeutsche Heimatkreis Komotau

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Das Jahr 2016 > 140. Geburtstag Anton Günthers
Die "Draakschen in Breitenbach

Toler Hans-Tonl
der Sänger des Erzgebirges
auszugsweise
von Walter Herles
Hoch droben im Erzgebirge liegt das kleine Städtchen Gottesgab, die höchstgelegene Stadt Mitteleuropas. Einfach und bescheiden war das Leben der Menschen dort oben am Fuße des Keilberges, dem höchsten Gipfel des Erzgebirges. Ihnen wurde im Leben nichts geschenkt, denn sie mußten sich mit Holzarbeiten, mit Spitzenklöppeln und anderer Heimarbeit ihr Brot verdienen. Trotz allem waren sie glücklich, diese Menschen vom Kamme des Erzgebirges.

Diesem Städtchen erstand in Anton Günther, dem toler Hans- Tonl, wie er nach seinem Hausnamen genannt wurde ein glühender Künder und Sänger. In Gottesgab wo er am 5. Juni 1876 geboren wurde , liegt er begraben. Sein Vater war ein armer Bergmann, der für seine zehn Kinder gar hart für das tägliche Brot kämpfen mußte. Tag und Nacht arbeitete er und ging noch an den Sonnentagen mit seiner Ziehharmonika in die Gasthäuser, vor allem in das "Neue Haus", einem Grenzgasthaus zwischen Oberwiesenthal und Gottesgab, um noch zusätzlich etwas zu verdienen.
Der Toler Hans- Tonl verbrachte, außer einer kurzen Lehr- und Ausbildungszeit und einer knappen Militärzeitsein ganzes Leben in Gottesgab, in den Bergen und Wäldern. Was ihn bewegte, Freude und Leid, alles spiegelt sich in seinen Liedern wieder, zu denen er Text und Melodie selbst geschaffen hatte. Rund 140 Lieder hinterließ Anton Günther und die Mehrzahl ist
Der Toler Hans- Tonl
Der TolerHans, Vater von
Anton Günther
heute zu wahren Volksliedern geworden.
Die Lieder sang er selbst und begleitete sich auf der Gitarre.. Vielen Menschen bereitete er immer wieder frohe Stunden.In den Städten am Fuße des Erzgebirges, in Böhmen und in Sachsen und weit im Lande war er ein gern gesehener Gast, der zu den Volksfesten geladen wurde, um dort seine Lieder vorzutragen. König Friedrich August von Sachsen hatte eine Vorliebe zu dem Volkston und den mundartlichen Weisen von Günthers Liedern. An seinem 40. Geburtstag erwachte der Sänger in früher Morgenstunde von dem Geschmetter einer kräftigen Blasmusik. Als er aus dem Fenster sah, war wenige Schritte vor seinem Haus , drüben auf der sächsischen Seite der Grenze, eine Militärkapelle in Paradeuniform angetreten, die ihm die Grüße des Königs von Sachsen mit Pauken und Trompeten überbrachte.

Als Günther einmal dem König vorsingen mußte, hatte er unter Beifall bereits zahlreiche Lieder gesungen. Da mahnte der König: "Eins fehlt noch, das ich gerne hören möchte." Auf Günthers Frage, sagte er, es gebe da noch eines in dem ein König vorkomme. Nun verstand der Toler Hans- Tonl und er sang dem König das schöne Lied: "Uff de Barch do is holt lustig" mit dem Refrain "Mit kan Könich mecht ich tauschen, weil do drum mei Heisl stieht."
Als Günther nach Prag ging in die große Stadt, wo er Lithographie lernte, da brannte in ihm die
Liedvortrag
Sejhnsucht nach den Bergen und das Heimweh erfaßte ihn. So fand er die Worte: "Do drauß in dr Fremd´n Walt, do find ich holt ka Ruh. De Heiser sind a ganz aus Staa, da Menschen a su." Und immer wieder ruft er seinen Erzgebirgern zu, und es ist wohl als wären seine Worte an uns gerichtet, wenn er singt: " Vergaß dei Haamit net, su singt jeds Vögele, vergaß dei Haamit net, su rauscht dr Wold." Als sein geliebter Vater zur letzten Ruhe gebettet wurde und er nun die Sorge für die zahlreichen Familiemitglieder übernehmen mußte, da formten sich in seinem Herzen Worte und Weise zu seinem schönsten und bekanntesten seiner vielen Lieder, zum "Reieromdlied". Gar mancher aus dem Erzgebirge wurde seither zu Grabe getragen und zum Abschied klangen Melodie und Worte dieses Liedes über das grab: "s´is Feieromd, es Tochwerk is vullbracht, s´gieht olles seiner Haamit zu, gonz sachte schleicht da Nocht."
Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Schwommesuchen, Schworzbeerpflücken, Schifahren und Hutzngieh nach dem Feierabend, alles,alles hat er beschrieben.
Anton Günther- Singen 2007
in Gottesgab (Bozi Dar)
Von links: Enkelin Christine Pollmer
Herr Necas, Helmut Mürling
Heimatkreisbetreuerin Hedwig Gemmrig, Christa Mürling
Ururenkel Anton (Günther), ?,
Volkmar Günther, Enkel
Sängergruppe
Der Enkel Anton Günther Lehmann
mit Wenzel Pöpperl und Emmi Felsberg
am Sudetendeutschen Tag 2006
helmut Mürling, Günther Lehmann und Emmi Felsberg
St. Anna in Gottesgab
Grab Anton Günthers in Gottesgab
 
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